Alkohol - eine Droge greift an

Auch wir haben die Reaktionen auf den Artikel unseres Polizisten Otto Rompowski über die Exzesse am späten Abend des 5. Dezember mit großem Unverständnis zur Kenntnis genommen und sind daher sehr froh über die treffende Stellungnahme des Schulleiters der GHS Much, Herrn Buchholz, die wir Wort für Wort unterstreichen können.

Wir sind ausgesprochen dankbar für die Arbeit, die durch die Aktion „Keine Kurzen für Kurze“ geleistet wird. Und wenn auf ein dramatisch wachsendes Problem mit einer deutlichen Beschreibung aufmerksam gemacht wird, so hat dies seine Berechtigung.

Wenn grölende und betrunkene Jugendliche und auch junge Erwachsene die Ruhe stören, wenn eine Rangelei den Einsatz der Sanitäter nötig macht, wenn Scherben von unzähligen Flaschen auf den Straßen die Rettungswagen nur vorsichtig fahren lassen, wenn eine Außenbeleuchtung bei Azurit zerschlagen wird und später eine Schlägerei zum Polizeieinsatz führt, so rechtfertigt dies auch eine drastische Sprache.

Dass es nicht darum geht, der Mehrheit der vernünftigen und tadellosen Jugendlichen ihre Freizeitvergnügen zu beschneiden, ist doch selbstverständlich. Dass uns aber angesichts der Tragweite des Problems des exzessiven Alkoholkonsums durch Jugendliche – schließlich stieg die Zahl der vollstationären Patienten und Patientinnen bis 20 Jahre, die wegen einer Psychischen und Verhaltensstörung durch Alkohol oder einer Intoxikation (Vergiftung) im Krankenhaus behandelt wurden, in den Vorjahren auf rund 25.000 Personen. Die jährlichen Steigerungsraten liegen im 2-stelligen Prozentbereich. Aktuelle Analysen zu alkoholbezogenen Gesundheitsstörungen und Todesfällen gehen von jährlich 73.714 Todesfällen (!) durch Alkoholkonsum allein oder durch den Konsum von Tabak und Alkohol aus – jemand aufrüttelt, die beschriebenen Vorfälle in Much nicht einfach zu übersehen und zu übergehen, ist verdienstvoll.

 

Auch wir sind dafür, dass Jugendliche bei uns eine Möglichkeit haben zu feiern und Party zu machen! Aber wir haben alles Verständnis dafür, dass Persönlichkeiten, die sich in Projekten gegen den Alkoholmissbruch engagieren, sich in drastischer Form an uns wenden und evtl. unbequeme Fragen nach den Verantwortlichkeiten stellen.

Richtig ist, dass sich die Thematik nicht zu parteipolitischen Winkelzügen eignet. Richtig ist auch, dass es keine Patentrezepte zur Lösung des gesellschaftlichen Problems gibt.

Richtig ist aber auch, dass wir alle in einem Boot sitzen und nur gemeinsam können wir das Problem lösen können. Wir bitten deshalb alle, die das dies erkennen und für eine sachliche Diskussion offen sind, die Kampagne „keine Kurzen für Kurze“ zu unterstützen und selbst eine hohe Sensibilität mit Alkohol vorzuleben.

 

Wir alle sind schließlich Vorbilder.